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Unsere Schokoladenseite - zeig Dich von der besten Seite!

Ein gutes Portrait soll dem Model gefallen. Es gibt so einige Tricks wie man sich toll in Szene setzen kann - eben die Schokoladenseite zeigen!

Schokoladenseite – wie ein gutes Portrait entsteht

Unsere Schokoladenseite! Was genau darunter zu verstehen ist und was das für die Fotografie bedeutet, erklärt Fotograf und Workshopleiter Karl Füsselberger.

Wir Fotograf*innen müssen die Schokoladenseite unserer Fotomodelle finden und sie bestmöglich darstellen. Dabei hilft uns der physiologische Hintergrund, dass wir Menschen alle asymmetrische Gesichtshälften haben. Meist ist die linke Gesichtshälfte die schmälere (immer von der Person aus gesehen). Da wir Menschen verschieden sind, ist auch der Gesichtsaufbau immer individuell.

Orientierungstipps für die beste Kameraposition

Gesichtshälfte:
Oft wirken Menschen attraktiver, wenn sie Ihre linke Gesichtshälfte in Richtung Kamera drehen. Studien besagen auch - zeigen sie hingegen ihre rechte Gesichtshälfte, wirken sie hilfsbereiter und intelligenter .

Scheitel:
Viele Portraits werden von der Seite fotografiert, auf der sich der Scheitel befindet. Bei asymmetrischen Frisuren würde in diesem Fall auch die breitere Seite verdeckt werden, was der Person schmeichelt. Personen mit einem Mittelscheitel sind wohl eher am besten von vorne zu fotografieren.

Augengröße:
Da die Augen oft unterschiedlich groß sind, kann ich das größere Auge kleiner machen, wenn es weiter von der Kamera entfernt ist und umgekehrt.

Schmeichelhafte Kameraposition:
Die Kameraposition von leicht oben schmeichelt der Figur – der Grund dafür liegt in der menschlichen Wahrnehmung. Normalerweise halten wir bei einem Selfie die Kamera schräg neben uns und heben oder senken den Arm dabei etwas. Diese intuitive Handlung kann stark dazu beitragen, dass Betrachter*innen das Körpergewicht deutlich geringer einschätzen.

Lichtsetzung:
Das Hauptlicht leuchtet in die schmale Gesichtshälfte und wirft einen Schatten auf die breite Seite, die noch leicht aufgehellt wird – so werden Akzente gesetzt. In diesem Fall wirken die Personen schmäler.

Bessere Bewerbungsfotos:
Diese Erkenntnisse können uns helfen, unsere Modelle auf den Bildern, z.B auf Bewerbungsfotos, noch professioneller aussehen zu lassen - bewusst und gezielt eingesetzte Perspektive, Fotos von leicht oben aufgenommen mit der rechten Gesichtshälfte der Kamera.

Natürlich spielt auch die Wahl des richtigen Objektivs eine große Rolle in der Portraitfotografie. Aber auf diese technischen Aspekte soll in diesem Artikel nicht näher eingeangen werden.

Tipps zum Umgang mit Modellen:
Oft hilft es Testfotos zu machen, um die „bessere“ Seite herauszufinden, damit sich vor allem die fotografierten Menschen auf den Bildern gefallen. Wissenschafter*innen nahmen für Studien computergenerierte 3D-Modelle von menschlichen Gesichtern aus sieben unterschiedlichen selfie-typischen Kameraperspektiven auf und ließen diese von 300 Studienteilnehmer*innen bewerten. Diese sollten anhand der Bilder Attraktivität, Dominanz, Intelligenz und Körpergewicht der Abgebildeten bewerten. Die Forscher*innen untersuchten, ob eine Systematik zugrundeliegt, dass sich viele Menschen, darunter auch internationale Stars, besonders gut in Szene setzen können.

Es erscheint mir sehr wichtig zu betonen, dass wir Menschen äußerst unterschiedlich sind. Daher ist es interessant, sich mit der Thematik der „Schokoladenseite“ auseinanderzusetzen. Lassen Sie sich inspirieren und testen Sie in einem Ihrer nächsten Shootings die hier beschriebenen Möglichkeiten. Am Allerwichtigsten beim Fotografieren von Menschen ist immer eine lockere und angenehme Atmosphäre beim Portrait-Shooting zu schaffen, um an authentische Fotos zu kommen. Reden Sie mit Ihren Fotomodellen und bauen Sie Vertrauen auf.

Viele Menschen behaupten, dass Sie nicht fotogen wären, was oft nicht stimmt. Ich zeige den Leuten die Bilder am Display, um Sicherheit zu vermitteln.

Fotografinnen und Fotografen sollten die volle Aufmerksamkeit den portraitierten Personen widmen, dann werden gute Fotos entstehen.

Dieser Artikel erschien in der österreichischen Zeitschrift FOTOobjektiv. Nachzulesen hier: